• Beitrags-Kategorie:Der Hund

Hunde sind uns Menschen unglaublich ähnlich. Wir haben den gleichen Aufbau in den Gehirnstrukturen, sind soziallebend und haben genau die gleichen Stärken und Schwächen. Hunde leben seit tausenden von Jahren in unserer unmittelbaren Nähe, sind angepasst an ein Leben mit uns und sind auch sehr gern Nutznießer unseres bequemen Lebensstandards.  Fast jeder Hund, einige Rassetypen einmal ausgenommen, genießen eine warme Heizung oder den Kamin im Winter, ein bequemes Bett und was es sonst noch so für Vorzüge gibt, die ein Leben mit uns Menschen mit sich bringt.

Umso mehr sind viele BesitzerInnen völlig verzweifelt, weil sie wissen, dass es zu einer Hundebegegnung auf dem Spaziergang kommen wird, die sich für alle Beteiligten äußerst unschön anfühlt. Der Spaziergang wird mehr und mehr zum Spießrutenlaufen. Oft ist es ein ganz bestimmter Hund, aber eben genauso oft ist es einfach nur die Begegnung mit einem anderen entgegenkommenden Hund. Beim Anblick des sich herannähernden, vermeintlichen Kontrahenten, äußert sich beim Menschen schon sichtbare Anspannung durch bestimmte körperliche Anzeichen wie, veränderte Körperausrichtung, veränderte Atmung, die Gesichtsmimik verkniffen, usw. Sie wissen, dass es gleich sehr laut, stressig und hässlich wird und fangen bereits vorher schon an, den Hund in die Schranken zu weisen, immer mehr, immer heftiger und ohne Erfolg. Je mehr versucht wird, je intensiver geschimpft, an der Leine gezogen, geflüstert und/oder verboten wird, desto schlimmer wird es. HundehalterInnen solcher Hunde werden oft von anderen HundehalterInnen beschimpft, belehrt, bemitleidet oder gemieden. Nichts davon fühlt sich gut an und die Grundhaltung zum eigenen Hund verändert sich enorm. Zukünftig werden solche Begegnungen dann umgangen. Es wird dann eben zu Zeiten rausgegangen, wo Begegnungen unwahrscheinlich sind, nachts zum Beispiel, oder eben gar nicht mehr. Dann darf der Hund halt nur noch in den Garten oder man beschränkt den Gassi-Gang auf kurze Runden um den Block. Frust ist vorprogrammiert, bei allen Beteiligten. Man übt sich in Konfliktvermeidung und baut ein Verhaltensmanagement auf. Fragen drängen sich auf, wie z.B.:

Warum macht sie/er das immer wieder?

Ich habe alles versucht, aber nichts hat wirklich langfristig Erfolg gebracht. Was habe ich falsch gemacht?

Zeige ich ihm vielleicht zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit?

Beschäftige ich den Hund zu wenig?

Muss ich noch mehr mit ihm machen? Vielleicht noch mehr den Ball werfen, Fahrradfahren, usw.?

Liegt es an der Rasse?

Liegt es daran, dass sie/er aus dem Ausland kommt, ich den Hund nicht von Welpen an in meiner Obhut hatte?

Hätte ich eine Welpengruppe besuchen müssen?

Warum ist er so undankbar, er hat doch alles, oder nicht?

Habe ich mir so das Zusammenleben mit meinem Hund vorgestellt?

Bin ich nicht in der Lage meinen Hund zu erziehen?

Was ist, wenn er sich wirklich einmal losreißt und Menschen, andere Hunde oder gar ein Kind verletzt? Die Folgen könnten möglicherweise verheerend sein!

So oder so ähnlich geht es HundehalterInnen von Hunden, die sich auf der Straße vollkommen danebenbenehmen. Der Leidensdruck dieser Menschen, aber auch der mancher Hunde ist enorm. Es kann sogar vorkommen, dass HundehalterInnen leinenpöbelnder Hunde anfangen, andere HundehalterInnen zu beschimpfen, wenn diese sich zu dem unangemessenen Verhalten des Hundes äußern oder sogar Angst haben. Solche Situationen sind nicht selten, geben dem Leinenpöbler noch kräftig Wasser auf seine Mühlen, weil der Mensch unbewusst sozial unterstützt. Zu zweit pöbelt es sich eben doppelt so gut, geschützt in der unmittelbaren Nähe zum Menschen und zurückgehalten durch die Leine, kann man sich herrlich danebenbenehmen und Schimpfwörter aussprechen, die wir nicht einmal kennen! Hunde sind sehr unorthodox im Verhalten, es ist ihnen eben nicht peinlich, den anderen als „Arschloch“ zu betiteln und macht nach einer gewissen Zeit auch Spaß. Es kann ihm ja nichts passieren, dass hat er ja gelernt.

Denken wir doch mal an uns selbst. Wer sagt, er habe noch nie im Auto andere Autofahrer angepöbelt, der lügt!!! Geschützt im privaten Raum, werden vermeintlich sanfte Mitmenschen oft zu Furien, gestikulieren mit allem was ihr Körper und/oder das Auto hergibt. Es wird gehupt, die Lichthupe betätigt, auf der Autobahn auf der linken Spur bedrängt, wie wild im Auto rumgestikuliert, gerne auch der berühmte Mittelfinger gezeigt, usw. Dass das verboten ist stört dabei herzlich wenig. Zu oft ging es ja gut und man kann so richtig den Frust rausbrüllen, danach fühlt man sich richtig befreit!

Wir zeigen so ein Verhalten oft nur dann, wenn wir sowieso schon in einer hektischen, frustrierten, gestressten Grundstimmung sind. Setzen wir uns in einem entspannten Zustand ins Auto, ohne Zeitdruck, brauchen wir viel länger um hochzufahren oder pöbeln gar nicht, sind nachsichtig mit den anderen VerkehrsteilnehmerInnen und manchmal entwischt uns auch ein kleines Lächeln in die Richtung des anderen Fahrers. Wie schnell wir hochfahren, hängt immer auch davon ab, wie gut wir gelernt haben mit Frust umzugehen und unsere Emotionen im Griff zu haben.

Warum also sollte es bei Hunden so viel anders sein?

Es gibt viele unterschiedliche Formen der Leinenaggression und es bedarf des genauen Hinschauens von uns HundetrainerInnen, für das Mensch-Hund-Team eine Lösung des Problems herbeizuführen. Trainingsansätze sind so individuell, wie wir Menschen und Hunde es nun mal sind.

Allerdings macht es schon Sinn, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Am besten wäre es, sich sogar vor der Anschaffung eines Hundes über die Rasse, Bedürfnisse, Wesen und Verhalten zu informieren und sich Rat, besser noch ein Konzept zu holen. Das geht auch über eine Videokonferenz und wäre beispielsweise in diesen Zeiten durchaus auch möglich. Viele Hundeschulen und Hundetrainer bieten eine Vorberatung vor der Anschaffung an, die kostengünstig ist und unter Umständen den Menschen wie den Hunden lange Leidenswege ersparen, glücklich und zufrieden machen. Denn das ist ja unser aller Ziel, mit dem Hund entspannt durch das Leben zu laufen.

Verständigung zwischen Mensch und Hund

wünscht Ihnen einen schönen und entspannten Sommer mit Ihren Hunden!

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